The Tunnel

Warum die langweilige Orbital M25 samt langweiligem Dartford Crossing nutzen, wenn man durch einen der aufregensten Teile Londons fahren und einen über 100 Jahre alten Tunnel nutzen kann?

Ja, er ist verdammt eng, verdammt dunkel und ja, er riecht wie die Tube. Aber genau das liebe ich am Blackwall Tunnel. Jedesmal, wenn ich die Wahl zwischen Dartford Crossing, Woolwich Ferry, Tower Bridge, Rotherhithe Tunnel und Blackwall Tunnel habe, entscheide ich mich für letzteren. Irgendwie muss man ja über den Fluss kommen. Oder zumindest drunter durch.

Er ist einfach toll. Und über die A2 rollt’s sich meist so schön in die Stadt hinein.

England Walks: The Seven Sisters Walk

Strecke

  • ~25 km, Teilstrecken möglich
  • einige Höhenmeter, da viele Klippen
  • größtenteils befestigter und unbefestigter Pfad, wenig Straße

Erreichbarkeit

Ausrüstung

Die Strecke führt durch die südenglische Grafschaft East Sussex vom Seebad Eastbourne über Englands höchste Kreideklippen, dem Beachy Head, zum alten Fischerdorf Birling Gap, das stark von Erosion bedroht ist, über sieben an einer Kette aufeinander folgende Kreidefelsen, den Seven Sisters, und dem Naturhafen Cuckmere Haven zum Seebad Seaford. Von dort gibt es gute Verbindungen zum bekannten Seebad Brighton.

Die Tour eignet sich auch für London-Touristen. Von diversen Londoner Bahnhöfen gibt es stündliche Zugverbindungen in die Seebäder, die Fahrtzeit beträgt um die ein bis zwei Stunden.

Let’s go. In Eastbourne Station angekommen bewundert man am Besten den Clock Tower auf dem Bahnhofsgebäude bevor man die Terminus Road, die High Street Eastbournes, entlang Richtung Pier schlendert.

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Die 300 Meter lange Pier wurde 1870 eröffnet und lädt seitdem zum Verweilen ein. Ein Tässchen Tee oder Kaffee ist der perfekte Energizer für den anschließenden Weg hoch zu Beachy Head.

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Aber erst geht es die Grand Parade entlang. Im Wish Tower, errichtet im 19. Jahrhundert um das Empire gegen die Franzosen abzusichern, gibt es neuerdings die nächste Möglichkeit, einen Tee oder Kaffee in historischer Atmosphäre zu genießen.

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Weiter gehts, am Pinnacle Point vorbei immer auf dem South Downs Way zum Beachy Head hinauf. Rumdrehen nicht vergessen, die Sicht auf Eastbourne ist klasse. Man sieht in der Ferne Hastings mit seinem East Hill und bei gutem Wetter sogar die Landzunge von Dungeness.

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Der South Downs Way windet sich weiter zum Beachy Head hinauf, dem höchsten Kreidefelsen Großbritanniens. Die Franzosen nannten die 162 Meter hohe Klippe damals Beauchef, das „schöne Kap“.
Oben gibt es ein gemütliches Pub, man kann draußen sitzen, das Essen ist lecker und der Cider kalt.

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Weiter gehts zum Belle Tout Lighthouse, das vor einigen Jahren verschoben werden musste, sonst wäre es wegen starker Erosion im Kanal baden gegangen. Weiter hinten erscheinen immer wieder die Seven Sisters und Seaford Head am Horizont und zeigen, was heute noch zu tun ist.

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Entlang der Strecke verkehrt neben den Sightseeingbussen auch die Brighton&Hove Linie 12 von Eastbourne nach Brighton, mit der man jederzeit abkürzen könnte. Natürlich aber auch einiges verpassen würde, wie z.B. das Birling Gap. Der National Trust unterhält hier ein Besucherzentrum und Café mit lokaler Küche. Das Birling Gap ist eine der am schnellst erodierenden Küstenabschnitte, schon in wenigen Jahrzehnten wird das Fischerdorf Geschichte sein.

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Weiter gehts, über die restlichen Sisters zum Cuckmere Haven, einem alten Naturhafen und heutigem Country Park.

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Hier gibt es die Möglichkeit, direkt vor den Sisters am Kanal zu sitzen und salzige Meerluft zu atmen.

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Flusseinwärts geht es im Cuckmere Valley vorbei an Schafen, Rindern und Ziegen weiter zum Besucherzentrum des Country Parks (und für Abkürzer: einer weiteren Bushaltestelle der Linie 12).

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Auf der anderen Seite der Cuckmere-Mündung geht es direkt an der Küstenlinie weiter,südlich am Seaford Head vorbei zu Seafords Esplanade. 25km gelaufen, alle Achtung, jetzt ein Käffchen.

Wem es bis jetzt noch nicht aufregend genug war oder eh noch nach London zurück muss, der fährt mit dem Bus oder mit dem Zug weiter nach Brighton um auf dessen Pier nach einer Achterbahn- oder Karussellfahrt (oder dem Brighton Wheel), leckeren Fish & Chippies und dem Erleichtern von Kleingeld in den Spielhallen den Tag in einem gemütlichen Restaurant oder Pub in Brightons Altstadt „The Lanes“ oder im Park vor Brightons Royal Pavilion ausklingen zu lassen. Von Brighton Station aus geht es mit dem Bus nach Eastbourne oder mit dem Zug nach London zurück.

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Glorreicher Tag. Well done. Pint of Bitter, please!

The Brighton Wheel

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Tired of London? Kann doch gar nicht sein. Und wenn doch, dann einfach mal ans Meer, z.B. ins schöne Brighton – oder wie viele einschließlich mir es gerne nennen: „London-by-the-sea“. Hier gibt es einen Beach, eine Pier, viele Parks, einen Royal Pavilion, eine nette Altstadt  „The Lanes“ und, last but not least, das Brighton Wheel. Meiner Meinung nach sein Geld wert, ganz im Gegenteil zum London Eye. Von hier hat man einen wunderschönen Blick sowohl Richtung Pier, als auch Richtung South Downs, einer netten Hügelkette gleich hinter Brighton, die zum Wandern einlädt. Übrigens mein nächster Tipp, aber auf diesen und andere Trails entlang Südenglands Küste komme ich später noch einmal zu sprechen.
So denn, ein paar Mal ums Wheel, dann raus auf die Pier, dort ein Mr Whippy gekauft (alternativ Kaffee oder, wir sind in England meine Herrschaften: English Tea), über den Kieselstrand gedackelt und in einen Liegestuhl geworfen. Oooh ja.

Remember, remember, the Fifth of November

Once Upon a Time im lieblichen Verona York wurde 1570 der Katholik Guido „Guy“ Fawkes geboren. 23 Jahre später, zu Hochzeiten des Achtzigjährigen Krieges, kämpfte er in der katholischen Armee gegen die protestantischen Niederländer und Ausbreitung des reformierten Christentums. Nach der erfolgreichen Belagerung Calais‘ wurde er als mutiger und entschlossener Soldat ausgezeichnet und fing an, einen hinterhältigen Komplott gegen das englische Parlament zu planen, das zu dieser Zeit Katholiken verfolgte.

Er wird mit diesem Vorhaben, dem Gunpowder Plot, in die Geschichte eingehen. Er schmuggelt 36 Fässer Schwarzpulver ins Kellergewölbe des Londoner Houses of Parliament und plant mit diesen einen Anschlag auf den Palast am Tag der Parlamentseröffnung. Sein Plan, König Jakob I. samt Familie, alle Parlamentsmitglieder, alle Bischöfe des Landes und den Großteil des Hochadels zu töten sowie anschließend einige politische Gefangene aus dem Tower of London zu befreien, fliegt jedoch auf und er wird des Hochverrats verurteilt. Hanged, Drawn and Quartered.

Trotzdem ist und bleibt er Sinnbild für einen Freiheitskämpfer, der versucht, im Verborgenen, ‚von innen heraus‘, ein Problem zu lösen. Anhänger der heutigen Occupy-Bewegung verstecken sich gerne als ‚Anonymous‘ hinter der Maske Guy Fawkes‘.

Nichtsdestotrotz war dies ein Anschlag auf den englischen König und dessen Parlament. Da in Britannien Traditionen gepflegt werden, beginnt noch heute die jährliche Parlamentseröffnung in Westminster mit der Inspektion der Kellerräume und dem Ermahnen mit Hilfe von folgendem Vers, den jedem kleinen Briten in der Wiege mitgegeben wird:

„Remember, remember, the Fifth of November
Gunpowder, treason and plot;
I know of no reason, why gunpowder treason
Should ever be forgot.“

In Gedenken an dieses Ereignis finden große Prozessionen, Fackelzüge, Feuer und riesige Feuerwerke jedes Jahr am Abend des 5. November als „Guy Fawkes Night“ oder „Bonfire Night“ im ganzen Land und in vielen Commonwealth-Staaten statt. Die Kleinstadt Lewes, in East Sussex zwischen Brighton und Eastbourne gelegen, explodiert regelrecht vor riesigem Besucherandrang, so dass das Council auf der offiziellen Website rät, lieber nicht in die Stadt zu kommen, da alle Verkehrssysteme überlastet, Straßen gesperrt und Pubs nur für Einheimische geöffnet sind. Streng lebende Katholiken sollten zudem einiges an Toleranz mitbringen, den auf den großen Prozessionen werden neben Kruzifixen auch Papstfiguren verbrannt. Neben Lewes bietet London mit rund 50 Feuerwerken und 20 Prozessionen rund um den 5. November auch einiges Spannendes an. Und wem ein Feuerwerk zu wenig ist, der besorgt sich sein eigenes und sucht sich einen Hügel, der 360° Feuerwerksicht bietet. Primrose Hill, Hampstead Heath, oder wie hier: Stave Hill.

My First and Last

Überall auf den Inseln findet man „First and Lasts“, meist Pubs oder Inns, die sich an signifikanten geographischen Stellen befinden; das bekannteste ist wohl das an Land’s End. Irgendwie erinnern sie mich immer ein wenig an das deutsche Schild „Letzte Tankmöglichkeit vor der Autobahn“, als gäbe es dort keine Tankstellen. Bei Gretna Green an der englisch-schottischen Grenze befindet sich auch solch ein „First and Last“-Pub, ganz so, als gäbe es keinen dahinter.

Das hier ist mein „First and Last“, bis jetzt eigentlich und hoffentlich nur mein „First“.

Es steht an keiner markanten Stelle, sondern an der A2 zwischen Canterbury und Faversham und es ist nur ein langweiliges Little Chef.
Aber hier hatte ich Erstkontakt mit einem Briten und gleich anschließend meine ersten Fish & Chippies. Frisch mehrfach frittiert, Pea Mash dazu und Vinegar darüber, dazu einen großen, starken Americano aus der Kenco-Maschine. Zudem die Möglichkeit, in ungefährlicher Entfernung das Verhalten der Briten zu studieren, denn, ja, irgendwie läuft hier alles schon ein bisschen anders als am Kontinent.

Ich werde es immer wieder besuchen, nur der Tradition wegen. Es ist nicht irgendeine Tradition, es ist meine eigene. Ich liebe solche Orte.

 

 

 

Dover, Kent

Egal wie, wir sind nun endlich angekommen. Vielleicht sogar in Dover im schönen WhiteCliffsCountry.

Ich mag Dover. Nicht gerade das hübscheste Städtchen, das Fährterminal ist eher hässlich und die Promenade nicht wirklich einladend (sofern man die Hochhauszeile überhaupt als Promenade bezeichnen kann), aber ich mag Dover.

Denn Dover hat einiges zu bieten. Könnte ich noch einmal zum ersten Mal nach England reisen, mein erster Trip würde von der Fähre runter, durch Border Agency, Customs und den ersten Kreisel, an der Ampel rechts und gleich nochmal rechts, hoch zum Dover Castle führen.
Ja, es ist manchmal voller Touristen. Ja, es ist eins der teuersten Properties, die der English Heritage zu bieten hat. Aber es kann niemand abstreiten: Es ist eins der schönsten und größten Castles überhaupt. Nehmt es mit. Gerade mit einem Overseas Pass vom English Heritage relativiert sich der Eintrittspreis. Und wer rauf auf den Tower klettert, der bekommt eine wunderschöne 360°-Sicht auf die Stadt, das Meer, das Fährterminal und die White Cliffs. Bei guter Sicht kann man rüber bis zum Kontinent schauen und sieht am Horizont das Cap Blanc-Nez in der Sonne funkeln. Hach.

Und noch ein Highlight, einfachst zu erreichen: Vom Castle kommend zweimal rechts abbiegen (Ja, das ist wie das Linksabbiegen auf dem Kontinent) und man landet in der Upper Road, die hoch auf die Klippen führt. Hier parkt man am National Trust Parkplatz und bestaunt The White Cliffs of Dover. Am liebsten am Abend, da ist dann der Parkplatz geschlossen, aber man findet schon eine Parkmöglichkeit nahe der Spitzkehre. Denn abends sind hier weniger Touris unterwegs und die wahre Bevölkerung der Klippen traut sich heraus: Hasen. Hunderte. Zwischen ihnen findet man auf alle Fälle noch ein Plätzchen im kurzen Klippengras, notfalls auch auf einer Bank, um dem Treiben am Fährterminal zu folgen. Die Sichheitshinweise und Durchsagen schallen von unten, man versteht jedes Wort.

Von hier kann man einen Abendspaziergang zum South Foreland Lighthouse machen, oder noch ein Stückchen weiter, in St-Margarets-at-the-Cliffs, im gemütlichen Pub The Coastguard sein erstes echtes Pint zu sich nehmen.

Welch glorreicher Abend. Cheers!