The Shard, London

Das isser, der Neue. Mit 310 m Höhe war er letztes Jahr zwar noch nicht ganz fertig, aber schon höchstes Gebäude Europas, jetzt haben die Russen überholt. Whatever.

Er ist ein Ausreißer, er steht weder in die City of London, noch hat er sich brav in die Skyline um Canary Wharf eingereiht. Nein, er steht markant und ziemlich alleine direkt neben London Bridge Station, south of the river, im schönen Southwark.

The Shard, die Scherbe, hat eine pyramidenförmige, 56.000 m² große Glasfassade. Neben Büros, Restaurants, ein paar wenigen Luxuswohnungen und einem Hotel eröffnet am 01. Februar eine Aussichtsplattform, „The View from the Shard„, die gleich die ersten Tage ausgebucht ist.

Ich habe ein Ticket und werde berichten.

Die schönste Möglichkeit…

…von Tower Hamlets nach Southwark zu kommen. Und wieder zurück. Über die A100, denn die führt über die Tower Bridge und übers Flüsschen, generally known as River Thames. Kurz nach rechts schauen, Tower, City, London Bridge und das Flüsschen, HMS Belfast, The Shard, City Hall. Tief durchatmen. Nach links schauen: Butlers Wharf, noch mehr Flüsschen, St Katharine’s Pier. Und vielleicht ein Thames Clipper, auf dem Weg zum O2 oder raus nach Woolwich.

Remember, remember, the Fifth of November

Once Upon a Time im lieblichen Verona York wurde 1570 der Katholik Guido „Guy“ Fawkes geboren. 23 Jahre später, zu Hochzeiten des Achtzigjährigen Krieges, kämpfte er in der katholischen Armee gegen die protestantischen Niederländer und Ausbreitung des reformierten Christentums. Nach der erfolgreichen Belagerung Calais‘ wurde er als mutiger und entschlossener Soldat ausgezeichnet und fing an, einen hinterhältigen Komplott gegen das englische Parlament zu planen, das zu dieser Zeit Katholiken verfolgte.

Er wird mit diesem Vorhaben, dem Gunpowder Plot, in die Geschichte eingehen. Er schmuggelt 36 Fässer Schwarzpulver ins Kellergewölbe des Londoner Houses of Parliament und plant mit diesen einen Anschlag auf den Palast am Tag der Parlamentseröffnung. Sein Plan, König Jakob I. samt Familie, alle Parlamentsmitglieder, alle Bischöfe des Landes und den Großteil des Hochadels zu töten sowie anschließend einige politische Gefangene aus dem Tower of London zu befreien, fliegt jedoch auf und er wird des Hochverrats verurteilt. Hanged, Drawn and Quartered.

Trotzdem ist und bleibt er Sinnbild für einen Freiheitskämpfer, der versucht, im Verborgenen, ‚von innen heraus‘, ein Problem zu lösen. Anhänger der heutigen Occupy-Bewegung verstecken sich gerne als ‚Anonymous‘ hinter der Maske Guy Fawkes‘.

Nichtsdestotrotz war dies ein Anschlag auf den englischen König und dessen Parlament. Da in Britannien Traditionen gepflegt werden, beginnt noch heute die jährliche Parlamentseröffnung in Westminster mit der Inspektion der Kellerräume und dem Ermahnen mit Hilfe von folgendem Vers, den jedem kleinen Briten in der Wiege mitgegeben wird:

„Remember, remember, the Fifth of November
Gunpowder, treason and plot;
I know of no reason, why gunpowder treason
Should ever be forgot.“

In Gedenken an dieses Ereignis finden große Prozessionen, Fackelzüge, Feuer und riesige Feuerwerke jedes Jahr am Abend des 5. November als „Guy Fawkes Night“ oder „Bonfire Night“ im ganzen Land und in vielen Commonwealth-Staaten statt. Die Kleinstadt Lewes, in East Sussex zwischen Brighton und Eastbourne gelegen, explodiert regelrecht vor riesigem Besucherandrang, so dass das Council auf der offiziellen Website rät, lieber nicht in die Stadt zu kommen, da alle Verkehrssysteme überlastet, Straßen gesperrt und Pubs nur für Einheimische geöffnet sind. Streng lebende Katholiken sollten zudem einiges an Toleranz mitbringen, den auf den großen Prozessionen werden neben Kruzifixen auch Papstfiguren verbrannt. Neben Lewes bietet London mit rund 50 Feuerwerken und 20 Prozessionen rund um den 5. November auch einiges Spannendes an. Und wem ein Feuerwerk zu wenig ist, der besorgt sich sein eigenes und sucht sich einen Hügel, der 360° Feuerwerksicht bietet. Primrose Hill, Hampstead Heath, oder wie hier: Stave Hill.

Why I’m loving this city…

City Airport, Freitagabend, Flug ewig verspätet. Wohl der letzte Flug, denn der Flughafen schließt hinter mir. Engineering works, DLR closed. Naja, dann halt mit dem Bus zur Fenchurch Street‎, doch irgendwo im nowhere der City: „All change please, all change!“.

Was soll ich denn jetzt hier?

Es ist Winter, es ist verdammt dunkel, es ist verdammt kalt. Regen, richtig viel. Die Straßen sind leer. Klar, financial district, hier wohnt kein Mensch. Alles geschlossen. Alle daheim. Oder zumindest im Pub. Oder in Soho.
Ich eile zur Bank Station, mit Koffer, ohne Regenschirm. Station entrance, immer noch niemand zu sehen. Oyster check in. Escalator.

Umso tiefer, desto lauter schallt ein einsamer Musician mit seiner Gitarre.
Da kommt sie, die kuschelige Northern Line, northbound.

Ich bin am Ziel.

Auch ein netter Artikel, bitte lesen: http://www.faz.net/-gyt-71zst