OS Maps

Ich liebe Karten. Egal, wohin ich fahre und wie viele Möglichkeiten mir die Mitnahme von Navigationssystemen und Smartphones bieten, ich habe zuvor mindestens eine Papierkarte gekauft.

Tourenplanung funktioniert so richtig gut nur mit einer vor mir ausgebreiteten Papierkarte. Und diese funktioniert ohne Strom und Mobilfunknetz. Und ja, sie riecht nach Papier und Druckfarbe. Ich mag das, da bin ich altmodisch.

Ich kann sie handlich knicken, ich kann sie riesig ausbreiten, ich kann Orte markieren, Entfernungen verstehen und Höhenunterschiede erkennen. Ich liebe Karten.

Ich habe viele Karten von allen Gegenden, in denen ich mich herumgetrieben habe. Meist sogar mehrere, ich will ja vergleichen können.

Ich mag die Karten des IGN, des französischen Institut Géographique National. So richtig verliebt habe ich mich aber in die OS Maps, die Karten des britischen Landesvermessungsamtes „Ordnance Survey“. Der Name hat was Militärisches. Na, da kommt die Idee her, präzise Karten zu zeichnen.

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Das ist meine Sammlung, bis jetzt zumindest.

Der Ordnance Survey gibt neben ein paar Sonderausgaben hauptsächlich Karten drei unterschiedlicher Typen heraus.

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Da gibt es Travel Maps in silber-blau. Sie eignen sich hervorragend zur Planung eines Trips, meist beinhalten sie eine komplette Urlaubsregion wie den Lake District, die Cotswolds oder Cornwall.
Sie sind im Maßstab 1 : 100 000, ein 1 cm sind also 1 km, bzw., wir befinden uns auf den Inseln: 1 Zoll sind 1 ½ Meilen. Nur die Schottlandkarte ist 1 : 500 000, there’s not so much to print on a map. Schottland ist groß und weitflächig, für den gleichen Einsatzzweck braucht’s einfach nicht soo viel Karte.

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Mit den Travel Maps plant man also seine Tour. Alle großen Straßen, Motorways, A- und B- Roads sind abgebildet. Man erkennt historische Orte (z.B. die vom English Heritage oder National Trust), Parkplätze und dual carriageways, sehr wichtig bei langen Überlandstrecken ohne Motorway. Auf Höhenlinien verzichtet der Ordnance Survey komplett, schafft es aber hervorragend, mit einer plastischen Schattierung Höhenunterschiede darzustellen.

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Dann gibt es die orangen Explorer Maps. Sie haben den größten Maßstab mit 1 : 25 000 (4 cm sind 1 km bzw. 2 ½ Zoll sind 1 Meile), eignen sich also für sehr detaillierte Planungen von Wanderungen oder Radtouren. Der Ordnance Survey zeichnet die kleinsten Pfade, Cairns (Steinhaufen) und Bachläufe zusammen mit sehr detaillierten Höhenangaben, man erkennt präzise Entfernungen und Steigungen sowie gefährliche Abgründe, Felswände, Klippen und Bergspalten. Sobald man ein Rucksack packt, gehört diese Karte einfach mit dazu.

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Und selbst Stadtregionen sind perfekt gezeichnet in diesem Maßstab, jedes Grundstück, ja jedes Haus ist erkennbar. Wer sich erst einmal in diesen Detailgrad verliebt hat, wird auf der Suche nach guten Karten für Deutschland oder Frankreich verzweifeln…

Neben den bekannten A-Z Stadtplänen empfehle ich die Explorer Maps selbst für Wanderungen durch Großstädte wie London.
1 : 25 000 kann natürlich nicht Straßennamen abbilden, zeigt aber wunderschön Topographie und interessante Punkte auf. Dank des hohen Detailgrads würde ich eher auf den Stadtplan als auf die Explorer Map verzichten.

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Und dann gibts da noch so ein Zwischending, die pinken Landranger Maps. Diese bringen doppelt so viel Gegend auf eine Karte wie eine Explorer Map, sind also 1 : 50 000 (2 cm sind 1 km bzw. 1 ¼ Zoll sind 1 Meile), verlieren aber das Detail der Explorer Maps. Anscheinend sind sie sehr beliebt, bei mir jedoch nicht sonderlich, deswegen habe ich gerade mal drei Stück. Und die auch eigentlich nur von schottischen Landesteilen, denn, you know, there’s not so much to print on a map. Wenn ich auf diese Karten schaue, sehe ich in erster Linie Höhenlinien, die mir viel zu aufdringlich erscheinen. Kann man machen, erfüllen auch ihre Funktion, aber hübsch sind sie nicht. But it’s purely a matter of taste.

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Die Karten gibt es online direkt beim Ordnance Survey, aber auch bei Amazon & Co. und natürlich vor Ort in den Buchhandlungen. Letztere empfehle ich, egal ab unabhängiger Village-Shop in den Highlands oder die großen Ketten wie WH Smith und Waterstone’s, oft gibt es 3-for-2-Angebote, die einen noch mehr zum Kartenfieber verleiten. Und wer den Duft einer OS Map erst einmal geschnüffelt hat, die Detailverliebtheit und Liebe zur Perfektion erkannt hat, der findet jede andere Karte hässlich.

London Walks: Isle of Dogs to Blackheath

Strecke

  • ~8 km
  • zu jeder Jahres- und Tageszeit schön
  • auch bei Dunkelheit nett, der Greenwich Park schließt jedoch mit Einbruch der Dunkelheit und muss umlaufen werden
  • fast ausschließlich befestigte Gehwege ohne Straßenverkehr
  • leichter Anstieg vor dem Royal Greenwich Observatory
  • einige Hundert Treppenstufen am Greenwich Foot Tunnel, das Royal Borough of Greenwich informiert, wann die Lifte öffnen

Erreichbarkeit

  • Die Docklands Light Railway (DLR) fährt tagsüber den nördlichen Startpunkt, die DLR Station West India Quay, von Bank, Stratford und Lewisham im Minutentakt an. Busfahrer steigen am Besten an der Haltestelle Westferry aus, diese wird von den London Bus Routes 135, 277, D3, D7 und N550 bedient
  • Parallel zur Strecke verkehren neben zahlreichen Buslinien die Züge der DLR Richtung Lewisham, mit der jederzeit abgekürzt oder abgebrochen werden kann
  • Der Walk endet an der Blackheath Station, von der ständig Züge zu den Londoner Bahnhöfen Victoria, Charing Cross, London Bridge und Canon Street zurückfahren. Alternativ bringen die Bus Routes 89, 108, 202 und N89 zurück Richtung Innenstadt.

Ausrüstung

On your mark! Get set! Go!

Die DLR bringt uns zur East India Station. Diese trägt den Namen der East India Docks, an denen vor über 200 Jahren die Schiffe der britischen Ostindien-Kompanie anlegten.

Am Ausgang der Station steht man jedoch zu aller Verunsicherung vor den West India Docks, also jenen, von denen Schiff zu den West Indies, also in die Karibik ablegten.

Wir sind mitten in den Docklands, die sich seit den 1980er Jahren, nachdem Schiffe immer größer wurden (und einen Tiefseehafen benötigten), in ein bedeutendes Finanzzentrum verwandelten, neben der City of London versteht sich.

Isle of Dogs (1)

Zudem sind wir auf der Isle of Dogs, der Hundeinsel, von der niemand so genau weiß, wieso sie so heißt. Vielleicht hatte King Henry VIII. damals seine Hundezwinger hier. Vielleicht aber auch beruht der Name auf einen Rechtschreibfehler und mal wollte sie einfach „Isle of Docks“ nennen, whatever.

Auf unserem Walk werden wir quer durch die Docklands und quer über die komplette Isle of Dogs spazieren.

Am Carbot Square spüren wir etwas Manhatten-Feeling, so zwischen den Hochhäusern. Wir stehen direkt vorm One Canada Square, nach dem Shard das zweithöchste Gebäude Londons und Britanniens. Hier begegnet man Bankern, die zur Mittagspause oder zum Feierabend eilig rüber ins Pub sprinten um ein, zwei Pints zu kippen und etwas zu essen.
In diesen Pubs übrigens sind alle gleich, der Konzernchef und die Putzfrau trinken zusammen ihr Feierabendlager und genießen den Blick raus auf die Wharf.

Cabot Square

Canary Wharf

Über den Pubs tickern die Aktienkurse der London Stock Exchange an einer Hauswand vorbei, während wir fasziniert in die riesige Halle der futuristischen Canary Wharf Tube Station linsen.
Ja richtig, hier legten früher die Schiffe zu den Kanarischen Inseln an.

Canary Wharf Tube Station

Canary Wharf Underground Station, Isle of Dogs

Heron Quay

Durch den Eingang des J.P.Morgan-Towers, der 25 Bank Street, verlassen wir über die South Quay Foot Bridge die Hochhäuser und damit den Finanzdistrikt.

Vom südlichen Ende der Brücke und entlang des South Docks bietet sich ein wunderschöner Blick auf den O2 auf der anderen Themseseite. Damals als Millenium Dome zur Jahrtausendwende eröffnet bietet er heute eine riesige Veranstaltungshalle, Kinos, Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Heron Quay-

Vor der DLR South Quay Station biegen wir rechts ab und laufen den Millwall Dock entlang Richtung Süden zur Glengall Bridge.

South Quay (2)

South Quay

South Quay (1)

Isle of Dogs

South Quays

Am Millwall Outer Dock vorbei erreichen wir Mudchute. Diese nette Wohngegend erhielt ihren Namen tatsächlich vom Schlick und Schlamm der Themse, der aus Fluss- und Hafenbecken genau hier hin gebaggert wurde. Heute sieht man nichts mehr davon. Wem nach etwas Countrylife ist, der biegt zur Mudchute Farm ab und sieht dort grasenden Schafen und Rindern vor der Silhouette der Canary Wharf zu.

Canary Wharf seen from Mudchute

Wir sind unterdessen durch den Millwall Park in den Island Gardens angekommen und damit am Themseufer und dem südlichsten Punkt der Isle of Dogs. Auf der anderen Themseseite sehen wir unter anderem die Mastspitzen der Cutty Sark, das Greenwich Naval College und die 1902 erbaute Greenwich Power Station, heute das Backup-Kraftwerk für die Tube. Oben auf dem Hügel erkennen wir mit dem Royal Greenwich Observatory eine weitere Station auf unserem Walk.

Greenwich Power Station

Maritime Greenwich

Maritime Greenwich (1)

Rechts neben der Cutty Sark sehen wir den Ausgang des Greenwich Foot Tunnels. Neben uns in den Island Gardens befindet sich der ähnlich aussehende Eingang. Das Royal Borough of Greenwich baut zur Zeit neue Lifts ein, die 24/7 betrieben werden können. Bis vor kurzem arbeiteten hier Lift Attendants von 7-19 Uhr, in der restlichen Zeit war der Zugang nur per Treppe möglich.

Unten im Tunnel, 15 Meter unter der Themse, ist es selbst im Sommer angenehm kühl.

Greenwich Foot Tunnel

Auf der anderen Seite erwartet uns der 1869 erbaute Tee- und Wollklipper Cutty Sark, bzw. dessen Nachbau, denn 2007 ist das Original abgebrannt.

Cutty Sark

Maritime Greenwich (2)

Discover Greenwich

Am Discover Greenwich Visitor Centre vorbei wartet eines der bedeutendsten Barockbauwerken Englands auf, das Old Royal Naval College, seit einigen Jahren UNESCO-Weltkulturerbe. Heute hat sich hier u.a. die University of Greenwich einquartiert.

Wer dienstags bis freitags zwischen 10 und halb 6 unterwegs ist, dem sei der Greenwich Market empfohlen. Hier gibt es leckeres Essen zu fairen Preisen und jede Menge Marktflair.

Greenwich Market

Quer durch den Greenwich Park erreichen wir das auf einem Hügel gelegene Royal Greenwich Observatory und damit eine der bekanntesten Orte der Welt, wenn ihn auch viele nicht mit dem Observatorium in Verbindung bringen, obwohl: Hier kommt die Zeit her!
Die Greenwich Mean Time (GMT) bzw. die koordinierte Weltzeit UTC bezieht sich auf die Ortszeit des Observatoriums, genaugenommen auf den Mittelpunkt des Teleskops in dessen.
Dieser Mittelpunkt dient als Bezug für die Festlegung des Nullmeridians und somit der Längengrade. Im Innenhof finden wir einen Messingstreifen, der den Nullmeridian markiert. Hier können wir mit einem Fuß auf der Westhalbkugel und mit dem anderen Fuß auf der Osthalbkugel der Erde stehen. Zusätzlich markiert ein Laser einige Meter über uns den Nullmeridian und dessen Verlauf Richtung Themse.

Im Park treffen wir natürlich auch auf die Einwohner eines jeden der vielen Londoner Parks: dem Squirrel.

Leider hat auf Britannien das amerikanische Grey Squirrel die kleineren und scheuen, heimischen, europäischen Red Squirrels in wenige verbleibende Refuges wie dem Lake District verdrängt.

Süß sind sie trotzdem und über Futter freuen sie sich so sehr, dass man beim kleinsten Verdacht auf mehr Futter von einem Dutzend umringt, gar bedroht wird. Ich trage ständig eine Packung Haselnüsse bei mir um mich freikaufen zu können.

Greenwich Park (1)

Ranger's House, Greenwich Park

Das 300 Jahre alte Ranger’s House des Greenwich Parks wird heute vom English Heritage verwaltet, beherbergt die Wernher Collection und kann besucht werden. Um das Haus befindet sich ein kleiner Rosengarten, der zum Verweilen einlädt, genau wie das Teehaus um die Ecke mitten im Park.

Ranger's House, Greenwich Park (1)

Ranger's House, Greenwich Park (2)

Blackheath

Aus dem Park raus peilen wir grob die All Saints‘ Church an. Hier auf den leeren Wiesen zwischen Greenwich Park und Blackheath finden regelmäßig Fun Fairs statt, sowie London größtes, kostenloses Bonfire-Feuerwerk.

All Saints, Blackheath

An All Saints‘ vorbei folgen wir der Straße zur Blackheath Station, von der wir mit dem Zug wieder zurück in die Innenstadt fahren.
Jetzt ein Pub finden (das ist einfach) und ein Fuller’s London Pride trinken (das ist lecker). Pint of, selbstverständlich. Cheers!

Und wenn ein Brite fragt, wo wir heute waren, achten wir am Besten auf die Aussprache der Stadtteile, damit sich nicht dessen Magen umdreht: Grennitsch, nicht Krien-Witsch, Madd-Schudt, nicht Mädschatt und Luuschm, nicht Luis-Häm.