Why I’m loving this city…

City Airport, Freitagabend, Flug ewig verspätet. Wohl der letzte Flug, denn der Flughafen schließt hinter mir. Engineering works, DLR closed. Naja, dann halt mit dem Bus zur Fenchurch Street‎, doch irgendwo im nowhere der City: „All change please, all change!“.

Was soll ich denn jetzt hier?

Es ist Winter, es ist verdammt dunkel, es ist verdammt kalt. Regen, richtig viel. Die Straßen sind leer. Klar, financial district, hier wohnt kein Mensch. Alles geschlossen. Alle daheim. Oder zumindest im Pub. Oder in Soho.
Ich eile zur Bank Station, mit Koffer, ohne Regenschirm. Station entrance, immer noch niemand zu sehen. Oyster check in. Escalator.

Umso tiefer, desto lauter schallt ein einsamer Musician mit seiner Gitarre.
Da kommt sie, die kuschelige Northern Line, northbound.

Ich bin am Ziel.

Auch ein netter Artikel, bitte lesen: http://www.faz.net/-gyt-71zst

Abends am Cap Gris-Nez

Es ist ein warmer Sommerabend am Cap Gris-Nez, einer Landspitze an der wunderschönen Côte d’Opale, Frankreich. Großbritannien ist nur 33 km entfernt, da hinten, hinter dem opalblauen Meer funkelt das weiße Shakespeare Cliff bei Dover in der Abendsonne. So nah ist die Insel dem Kontinent nirgendswo sonst. Auf der anderen Seite des Parkplatzes steht ein Camper mit gelbem Kennzeichen, keine Ahnung ob Niederländer, Luxemburger, Franzose oder Brite. Von Weitem sehe ich einen älteren Mann, der wohl auf dem Weg vom Kap zum Parkplatz spaziert. Nur wir beide, warum auch immer. Es ist schön dort, gerade abends.
Ich laufe Richtung Kap dem Mann entgegen, biege aber vorher ab um einen alten Bunker genauer zu inspizieren. Wenig spektakulär, naja. Zurück zum Weg, stehenbleiben, Leuchtturm fotografieren. Der ältere Mann bleibt auch stehen, dann kommt er ganz langsam, vorsichtig auf mich zu. Er hat ein sympatisches Gesicht, schaut nett, aber ängstlich: „Excusez-moi monsieur… bonsoir… parlez-vous… français?“ Hmm, stotterndes Französisch. Ich bleibe ehrlich: „Bonsoir! Mon français n’est pas bon.“ Das habe ich für Frankreichtrips auswendig gelernt. Er antwortet wieder stotternd: „Ahh, spreekt u… Vlaams?“ Flandern ist nicht weit, warum also nicht? „Ja! Een beetje!“ Er reagiert erschrocken, vorsichtig und weiter stotternd: „Excu…seert… u mij! Waar kom u… van…daan?“ Wo ich her komme? „Ik kom uit Duitsland!“ Er schaut erleichtert, aber traurig: „Tut es ich leid… Mayn Deuts is nich sehr good.“ Da geht mir ein Licht auf: „Do you speak English, are from Britian?“ Ja, natürlich. Er ist Engländer. Und er will einfach nur wissen, ob es lohnt, in den Bunker zu kriechen. Ich sage ihm die Wahrheit, er bedankt sich vielmals, lobt mein Englisch, macht einen sympatisch ironischen Witz über sich selbst und verabschiedet sich.

In dieser Situation steckt so viel grundbritisches Verhalten, viel mehr, als mir in diesem Moment klar war. Er weiß, auf den Inseln spricht man Englisch. Basta. Ob das Englisch gut oder schlecht ist, egal, man bemüht sich immer, non-native speakers zu verstehen. Man antwortet langsam und deutlich, wenn der Gesprächspartner vom Festland kommt. Man muss kein gutes Englisch können. Man kann fiesen Dialekt sprechen. Das machen Leute aus Glasgow schließlich auch. Insulaner wissen, Englisch ist eine Fremdsprache und sie selbst können meist keine, zeigen also Respekt.

Nun war er am Festland. Dieses verrückte Festland mit den vielen Nationen und Sprachen, die niemand versteht. Aber er gibt sich Mühe; er erwartet nicht, dass man seine Sprache versteht. Und er ist überglücklich, wenn es doch so ist.